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Donnerstag, 15. Juli 2010

Drogendealer gemischten Alters

Polizeibeamte haben in den vergangenen zwei Tagen insgesamt neun mutmaßliche Drogendealer im Alter zwischen elf und 32 Jahren in Kreuzberg festgenommen. Umfangreiche Ermittlungen führten die Polizisten auf die Spur eines 31-Jährigen Kreuzbergers, der gestern Abend in der Naunynstraße auf frischer Tat beim Dealen mit Kokain gestellt wurde. Zeitgleich nahmen Beamte einer Einsatzhundertschaft zwei 28- und 31 Jahre alte Komplizen des Tatverdächtigen fest. Bei den anschließenden Durchsuchungen von sieben Wohnungen in Kreuzberg, Wilmersdorf und Neukölln stellten die Ermittler mehrere tausend Euro als mutmaßlichen Handelserlös, Händlerutensilien, Hieb- und Stichwaffen, scharfe Munition und Schreckschusswaffen sowie 160 Gramm Kokain sicher. Im Rahmen der Durchsuchungen wurden drei weitere Tatverdächtige zwischen 30 und 32 Jahren festgenommen. Fünf der Beschuldigten wurden am Donnerstag einem Ermittlungsrichter zum Erlass eines Haftbefehls vorgeführt.

Bereits einen Tag zuvor hatten Polizisten bei einem Einsatz zur Bekämpfung der Drogenkriminalität im ÖPNV am U-Bahnhof Schönleinstraße und Kottbusser Tor gegen zehn Uhr zwei elf und zwölfjährige Jungen sowie einen 17-Jährigen wegen Heroinhandels festgenommen. Alle drei wurden anschließend entlassen und vorsorglich in ein Krankenhaus gebracht, da der Verdacht bestand, dass sie so genannte Szenekügelchen mit Heroin verschluckt haben könnten. Von dort machten sie sich jedoch noch am Abend aus dem Staub.

Dienstag, 1. Juni 2010

Modegang

Integration gelungen: Eine Gang ehemaliger Kreuzberger Straßenjungs, die gegen böse Nachbarn kämpfte, macht Mode und veranstaltet die erste Modenschau in einem der besten Restaurants der Stadt. Die 36Boys taten sich 1987 als Gang zusammen, um – fast alles Türken – gegen die üble Stimmung in Kreuzberg gewappnet zu sein, die oft in Schlägereien endete.

Sie bedienten wie keine andere Gang das Schutzbedürfnis der Jugendlichen und festigten ihre Strukturen mit harten Aufnahmeprüfungen, denen nicht alle gewachsen waren. Sie galten als schnell, gefährlich und gewaltbereit. Und doch waren in der Gang in den zehn Jahren ihres Bestehens zeitweise bis zu 300 Mitglieder und sogar noch mehr aktiv. Während die einen in Revierkämpfen mit rivalisierenden Gangs die unterschiedlichen Crews wie die „36Ers“, „Getto Sisters“ (36Girls), „36Juniors“ um das Kottbusser Tor und die Wohngebiete zwischen der Naunynstraße, der Waldemarstraße und dem Görlitzer Bahnhof schützten, verbrachten die anderen ihre Zeit als Writer (Graffiti) und Tänzer crews (Breakdancer). Die ersten Hip Hop Aktivisten entwickelten sich aus dieser Gang heraus und prägten massiv die Hip Hop Landschaft in Deutschland. Noch heute werden die weltweiten Beatbox Meisterschaften durchgeführt, bei denen immer wieder der hohe Stellenwert der 36Boys-Rapper ins Auge fällt.

Sternekoch Tim Raue (36) war damals dabei. Mittlerweile leitet er das Restaurant MA an der Behrenstraße. Und genau diesen Gourmetpalast stellte er für eine außerordentliche Modenschau zur Verfügung: Studierende der Modeschule ESMOD hatten für das Streetwear-Label der ehemaligen Kreuzberg-Rüpel (ihre Marke heißt natürlich auch „36Boys“, Laden dazu in der Adalbertstraße 4 in Kreuzberg) Kapuzenshirts und Jacken, Sweatshirt-Hosen sowie Pullis entworfen.
36boys.com

Donnerstag, 4. März 2010

Die Schwäne vom Schlachthof

So heißt ein Theaterstück, das im Ballhaus Naunynstraße in Kreuzberg zur Wiederaufführung gelangt.
Der Text stammt von Hakan Savaş Mican, der auch Regie führt. Gezeigt wird das Stück in der Zeit vom 4.–7.3.2010, 20 Uhr.

Zum Inhalt:

Ohne Pass und Grenzkontrolle kamen in die DDR nur die kleinen Jungen, die zwischen 1966 und 1975 in der Spree ertranken. Für Hakan Savaş Mican sind die ertrunkenen Kinder der Ausgangspunkt für das Stück über die Mauer und den Mauerfall aus postmigrantischer Perspektive. In Bruchstücken von Erinnerungen wird Geschichte erzählt: Von West-Berliner Kindern, die im Schatten der Mauer aufgewachsen sind; von der Kommunistin aus Izmir, die ins Land ihrer Träume, in die DDR floh; vom anatolischen Landarbeiter, der in Magdeburg mit Döner das große Geld machte, aber seine Unschuld verlor, und von einem West-Berliner Migrantenjungen, der sich in ein Mädchen aus Marzahn verliebte. Die Schwäne vom Schlachthof ist eine Suche nach verlorenen Erinnerungen an eine vergangene Zeit, als die Grenzen und Mauern durch Berlin und zwischen den Menschen noch sichtbarer Beton waren.

Eintritt: 10

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