Das Lernpensum der Schüler ist minimal. Und der Alltag wird sich für Lehrer und Schüler mit fortschreitender Fusion weiter verschlechtern. In der Hauptschule waren die Klassen höchstens mit 16 Schülern besetzt. Künftig liegt die Obergrenze bei 26 Schülern.
In den neuen Klassen sitzen nun lernbehinderte Schüler neben solchen, die das Potenzial für das Abitur haben. Die Klassenräume sind klein, sie bieten keinerlei Möglichkeit, die Schüler in kleinere Gruppen zu teilen und so der viel gewünschten „Binnendifferenzierung“ Rechnung zu tragen – schließlich soll jedes Kind optimal seinem Potenzial entsprechend gefördert werden.
Der Anspruch klingt wie Hohn, betrachtet man den Schulalltag. Vor zwei, drei Jahren unterrichteten zwei Lehrer in fast jeder Klasse. Doch der Co-Lehrer, der sich ausschließlich um die lernbehinderten Integrationsschüler kümmern soll, ist nun weitgehend weggefallen und nur noch in wenigen Stunden im Einsatz. Dabei haben etwa 20 Prozent der rund 300 Schüler einen gesonderten Förderstatus und gelten als Integrationsschüler.
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„Durch die Konzentration von schwierigen und verhaltensauffälligen Schülern ist ein normales Unterrichtsgespräch nicht mehr möglich“, sagt auch Ulrich Scholz, Lehrer an einer anderen Sekundarschule in Alt-Tempelhof, ein paar Kilometer weiter.
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Mit der Zusammenlegung der Haupt- und Realschulen habe man eigentlich Gutes gewollt. De facto führe das unterschiedliche Wissensniveau der Schüler zu einer Senkung des Lerntempos. „In kleinen Klassen ist das alles umsetzbar“, sagt Sabine Espe. Mit kleinen Lerngruppen oder mindestens zwei Lehrern und Sozialpädagogen für die zu integrierenden Förderschüler. „Aber vom Sonderschüler zum Gymnasiasten alles in einer Klasse mit 25 Schülern?“, sagt Espe, „das ist ein sozial engagiertes Konzept, hinaufgepfropft auf ein marodes System, das ganz andere Bedingungen haben müsste, damit es funktionieren kann.“
welt.de
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Dienstag, 21. Juni 2011
Dienstag, 30. März 2010
Ausgewünscht
Es gilt schon länger als eine besondere Herausforderung für Eltern, in Kreuzberg wohnen zu bleiben, wenn die Kinder schulpflichtig werden. Nicht nur der Regierende Bürgermeister ließ einst durchblicken, dass, falls er Kinder hätte, er sie wohl nicht in Kreuzberg einschulen würde.
Gut durchmischte Schulen werden immer seltener, was angesichts der Berliner Hartz-IV- und Zuwandererzahlen nicht wundert. Es gab allerdings noch immer eine sichere Regel, auf die man sich verlassen konnte: Wer zufällig oder absichtlich im Einzugsgebiet einer guten Schule wohnte, dem konnte nichts passieren.
Nun ist auch diese Sicherheit verloren gegangen: Nachdem das Schulamt von Friedrichshain-Kreuzberg entschieden hat, dass nicht die Nähe zur Wunschschule zählt, sondern der Fußweg zur „Ersatzschule“, ist – aus Elternsicht – die reine Willkür ausgebrochen. Zumal das Schulamt auch noch vollständig ignoriert, dass der Gesetzgeber Geschwisterkinder bevorzugen wollte, damit Eltern morgens und mittags nicht zu zwei verschiedenen Schulen fahren müssen.
tagesspiegel
Gut durchmischte Schulen werden immer seltener, was angesichts der Berliner Hartz-IV- und Zuwandererzahlen nicht wundert. Es gab allerdings noch immer eine sichere Regel, auf die man sich verlassen konnte: Wer zufällig oder absichtlich im Einzugsgebiet einer guten Schule wohnte, dem konnte nichts passieren.
Nun ist auch diese Sicherheit verloren gegangen: Nachdem das Schulamt von Friedrichshain-Kreuzberg entschieden hat, dass nicht die Nähe zur Wunschschule zählt, sondern der Fußweg zur „Ersatzschule“, ist – aus Elternsicht – die reine Willkür ausgebrochen. Zumal das Schulamt auch noch vollständig ignoriert, dass der Gesetzgeber Geschwisterkinder bevorzugen wollte, damit Eltern morgens und mittags nicht zu zwei verschiedenen Schulen fahren müssen.
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